Geschichte Graubünden

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Jubiläumslinie Graubünden Erfahren Sie alles über die Jubiläumslinie in Graubünden

Am 15. Juni 2019 jährt sich die Inbetriebnahme der ersten PostAuto-Linie zwischen Reichenau und Flims zum 100-sten Mal. Die Aufnahme des regelmässigen Fahrplans gilt als Ursprung und Geburtsstunde der alpinen Verkehrserschliessung im Kanton Graubünden.

Vor 100 Jahren hat das Postauto auch im Land der 150 Täler Einzug gehalten: Auf der Strecke «Reichenau–Flims». Die Eröffnung der ersten PostAuto-Linie Graubündens erfolgte, aufgrund der zahlreichen Automobilgegnerschaft in der Bündner Bevölkerung, demütig, ohne Blumen und Festlichkeiten. Zäh und verbissen wehrte man sich in Graubünden gegen das Auto. Das erste Postauto zwischen Reichenau und Flims Waldhaus musste seinen Dienst deshalb unter ungünstigen Voraussetzungen und mit grösster Rücksicht auf Mensch und Vieh aufnehmen. Es fuhr vorläufig nur während des Sommers. Im Winter verkehrte weiterhin die Pferdepost.

Kurswagen vor Hotel Waldhaus (undatiert). Quelle: Museum für Kommunikation

Das Postauto auf der Strecke «Reichenau – Flims» ebnete den Weg der Motorisierung

Während die Pferdepost für die 13 km lange Strecke «Reichenau – Flims» 2 Stunden 50 Minuten benötigte, legte der Car-Alpin, die Strecke in der unglaublich kurzen Fahrzeit von 1 Stunde 10 Minuten zurück. Sogar der Auf- und Ablad des Gepäcks war bei dieser Fahrzeit inbegriffen. Wie ein Jahr zuvor die Obertoggenburger Linie, bewies die Flimser Strecke erneut die Überlegenheit des Autos im fahrplanmässigen Einsatz. Die Pferdepost war überholt und nicht länger konkurrenzfähig. Ihr Ende begann sich abzuzeichnen. Sie passte nicht mehr in die Zeit nach dem grossen Weltkrieg. Immer mehr Leute hatten immer weniger das Bedürfnis nach Postkutschenromantik. Der Fahrgast wurde anspruchsvoller und verlangte auch für Gegenden, wo der Eisenbahnbau nicht in Frage kam, nach einem raschen, leistungsfähigen und modernen Verkehrsmittel. Der Siegeszug des Motorwagens war daher unaufhaltsam.

Die Hoffnung des Verkehrsvereins Graubünden ging in Erfüllung

Bereits in den nächsten Jahren 1920 bis 1925 wurden bedeutende Pferdeposten in Postautobetriebe umgewandelt. So zum Beispiel auf den Strecken:

  • Thusis–Hinterrhein
  • Chur–Lenzerheide–Tiefencastel–Mühlen
  • St. Moritz–Maloja–Castasegna
  • Zernez–Münstertal
  • Scuol–Martina–Pfunds
  • San Bernardinopass
  • Julierpass
  • Oberalppass
  • Lukmanierpass

1925 wurde das kantonale Automobilverbot aufgehoben. Somit hatte das Postauto auch für den Privatverkehr bahnbrechend gewirkt. Einst umstritten und skeptisch abgelehnt, ist das Postauto heute ein Verkehrsmittel, das von den Bündner Strassen nicht mehr wegzudenken ist.

Video zu 100 Jahre PostAuto Graubünden

Umgebaute Militärlastwagen lösten die Fahrzeugfrage

Eigene Erfahrungen hatte man noch nicht viele. Die Kreispostdirektion überhaupt keine und die Auswahl an Fahrzeugmodellen war gering. Da liquidierte die Armee nach Beendigung des ersten Weltkrieges einen Teil ihres Motorlastwagenparks. Die Postverwaltung erkannte die Gelegenheit und beschaffte sich für den Reichenauer Motorfahrzeugpark drei von der Firma Saurer umgebauten Militär-Lastwagen mit je 45 Pferdestärken. Zehn Jahre später standen auf der Linie «Reichenau – Flims» fünf Fahrzeuge im Einsatz. 1939 waren es bereits 15 Postautos, wobei die Fahrzeuge auch auf anderen Linien zum Einsatz kamen.

  • 1920er Jahre: Saurer Alpenwagen Typ A (erste Postautos, umgebaute Armee-Lastwagen)
  • 1950er / 1960er Jahre: Saurer Alpenwagen III A
  • 1970er Jahre: Saurer H46
  • 1970er Jahre: Omnibus V-U Mercedes O 317K
  • 1980er Jahre: Saurer Hochbodenfahrzeuge
  • 1990er Jahre: Saurer + Neoplan Hochbodenfahrzeuge
  • 2000er Jahre: Neoplan + MAN Hochbodenfahrzeuge
  • Heute: MAN + Setra Hochbodenfahrzeuge / IVECO LowEntry / VanHool Doppelstockfahrzeuge
Foto des ersten Postautos auf der Route Flims-Reichenau (ca. 1925). Quelle: PTT-Archiv

Neue Herausforderungen für das Fahrpersonal

Die offenen Fahrzeuge mit 18 Sitzplätzen, Segeltuchverdeck und Gepäckanhänger wurden von sorgfältig ausgewählten, auf tagelangen Probefahrten mit der Strecke vertraut gemachten, Kraftwagenführern gesteuert; eigentliche Automobilpioniere, die sich in schwierigen Anfangszeiten zu bewähren hatten. Motiviert durch ihre Obertoggenburger Kollegen, denen schon seit dem 1. Mai 1918 das Lenkrad der neu eingesetzten Postautos anvertraut war. Als Kursbegleiter wirkten Kondukteure zur Besorgung der Billettkontrolle, des Gepäcks, der Güter und Postsachen. Zu den beruflichen Strapazen gehörte neben der unruhigen und holprigen Fahrt auch die horrende Staubplage der einstigen Naturstrassen.

Preisentwicklung Billettpreis vs. Brotpreis in Schweizer Franken

Fahrpreis für die Strecke «Reichenau (Chur) – Flims (Laax)» Erwachsene / 2. Klasse / einfach im direkten Vergleich zu einem Kilogramm Brot.

Meilensteine in der Geschichte von PostAuto Graubünden

1919 – 15. Juni 1919

Erste Postautofahrt von Reichenau nach Flims Waldhaus

1925

PostAuto-Linienausweitung im ganzen Kanton

1926

Angebotsausweitung auf der Linie «Reichenau-Flims» auf einen ganzjährigen Betrieb

1934

Verlängerung der Linie nach Chur (Chur-Reichenau-Flims)

1969

50-jähriges Jubiläum – Festlichkeiten in Flims

1970

Einführung des Taktfahrplans

1996

Erster Einsatz von Doppelstockpostautos auf verschiedenen PostAuto-Linien

2017

Einführung des ganzjährig durchgehenden Halbstundentaktes auf der Linie «Chur-Flims-Laax»